Die Agonie der Rockmusik ist im Westen in der Tat unübersehbar. Die Verquickung mit dem Mainstreamkonsum konnte sie auf Dauer kreativ nicht überstehen. Da die moderne Mainstream-Musik traditionell in erster Linie dazu dient, den (noch) zahlungskräftigen Kunden in Einkaufslaune zu
versetzen, kann nichts anderes entstehen als Seifenschaum-Mukke (um
Waschmittel&Co. zu verkaufen). Die letzten nervösen Todeszuckungen in Form von Hiphop kündigen die baldige Erstarrung an. Naja, die Musikindustrie baut nunmal auf den großen “Hype”, den alles
bestimmenden, neuen (!) Trend, der die Vorgänger ersetzt/ablöst und
sich in klingende Münze verwandeln läßt. Großartig neue
Stilrichtungen, die sich diesbezüglich verwenden ließen, sind derzeit
nicht in Sicht, bzw. nur schwer oder gar nicht vorstellbar,
respektive ungeeignet für den Mainstream. Vielleicht wird uns dann bewusst, wie groß “der Westen” im Vergleich zu den USA doch ist, und wir fragen uns verblüfft, ob denn in dem übrigen Gebiet vor der musikalischen Kolonialisierung durch die USA nix war. Moment…was sich in den USA entwickelt hat, ist nicht aus der hohlen Hand entstanden, sondern selbstredend durch Einflüsse geprägt worden, die Einwanderer (auch europäische!), bzw. verschleppte Sklaven mitbrachten. Kulturelle Entwicklung ist keine Einbahnstraße. Was “zurückkommt”, ist einst “hingegangen” (worden). Und vielleicht werden wir uns die Augen reibend fragen, wie es bloß geschehen konnte, dass wir unseren Musikgeschmack von Teenagern und von der Imageindustrie haben bestimmen lassen.
Es gibt genügend Alternativen, trotz Teenagern und Imageindustrie.
Wenn sie einem gefallen…und wenn man einige Jährchen wartet, wird
der Seifenschaum vergangener Jahrzehnte plötzlich erträglich -
verklärt durch nostalgische Patina, wohlgemerkt.
Es gibt so viel an musikalischen Rohdiamanten zu entdecken. Dazu braucht es keiner Popularisierungsschübe a la Wim Wenders. Wenn sie einem gefallen…
Und vielleicht merken wir dann erst, wieviel Musikrichtungen jenseits
des Rock der Westen doch hat, von denen man aber – wenn man es nicht
durch Zufall kennt – eigentlich normalerweise nichts hört.
Nicht ohne eigene Bemühungen, das mag sein. Es soll sogar Musikrichtungen ohne 4/4 Takt und welche ohnSchlagzeug geben..
Wobei diese Musikrichtungen – ich wiederhole mich – gefallen müssen.
Ob sie einem bspw. einem Rockfan gefallen, ist noch die Frage, denn
“Musik wird als störend oft empfunden, da sie mit Geräusch
verbunden”. Das gilt beileibe nicht nur für “Tokyo Hotel” & Co.